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Gehirnerschütterung

Trotz aller Fairness und intakter Ausrüstung kann es jederzeit im Sport zu einer Gehirnerschütterung kommen. In Deutschland werden pro Jahr mehr als 44.000 leichte  Schädelhirnverletzungen im Sport diagnostiziert. Weitaus höher dürfte  die Zahl der nicht erkannten Fälle sein, denn nicht jede Gehirnerschütterung wird erkannt bzw. entsprechend behandelt. Durch einen heftigen Schlag auf den Kopf kann es im Gehirn zu einer Verletzung kommen, woraus eine meist kurz andauernde Leistungsstörung des Gehirns mit vielfältigen Symptomen resultiert. Die häufigsten Symptome sind Kopfschmerz, Schwindel, Übelkeit, Nackenschmerz, Schwäche, Müdigkeit oder verschwommenes Sehen. Seltener kommen auch Bewusstseinsstörungen und akuter Erinnerungsverlust hinzu (10 - 30 % der Fälle). Durch den Schlag auf den Kopf bringt das Gehirn deshalb nicht mehr die volle Leistung.

Was ist bei einer Gehirnerschütterung zu tun?
Wenn ein betroffener Sportler darüber berichtet, dass er nach einem  Zusammenprall "Sterne gesehen" habe, unsicher auf den Beinen ist oder  sich plötzlich auffällig verhält (z.B. völlig unbeteiligt und still oder außergewöhnlich stimmungsgeladen), besteht  der dringende Verdacht auf eine Gehirnerschütterung. Der Sportler ist deshalb sofort aus dem Spielgeschehen zu nehmen, auch  wenn die Symptome verschwinden und der Sportler sich scheinbar wieder  zu hundert Prozent fit fühlt.
Ruhe ist die einzige sinnvolle Akutmaßnahme. Sportler mit  Verdacht auf Gehirnerschütterung sollten möglichst in einem  abgedunkelten Raum liegen (leichte Kopfhochlage) und sanft betreut werden:
  • Kühlende Kompressen am Kopf und Nacken, kein Essen, Flüssigkeit  nur sehr sparsam, bei Übelkeit bzw. Erbrechen Plastiksack bereithalten.
  • Überwachen des Bewusstseinszustandes (gut ansprechbar? gibt der Sportler "komische" Antworten?)
  • Ist er verlangsamt oder verwirrt?
  • Schläft er immer wieder ein?
  • Ruhe bewahren, Sportler nicht mit unnötigen Fragen bedrängen, für Ruhe im Zimmer sorgen.

Wann sollte der Patient ins Krankenhaus?
Bei Verdacht auf eine Gehirnerschütterung sollte der Sportler von einem entsprechend qualifizierten Arzt beurteilt werden. Die Gehirnerschütterung zeigt oftmals ein sehr unterschiedliches  Symptombild, daher ist es oft nicht leicht, die entsprechenden Symptome richtig zu deuten. Der Rettungsdienst sollte aber auf jeden Fall gerufen werden, bei
  • jeglichem, auch nur kurzzeitigem Bewusstseinsverlust
  • Bestehenbleiben oder Verstärkung der Symptome (Sehstörungen,  Nebelgefühl, starke Müdigkeit, zunehmendes Kopfweh, mehrmaliges  Erbrechen, Gleichgewichts- und Gehstörungen, verändertes psychisches  Verhalten)
  • verzögert eintretenden Symptomen (z.B. nach Stunden zunehmende Verschlechterung des Zustandes)
  • Halswirbelsäulenschmerzen.

Wie lange dauert die Erholungsphase?
Die Wiederherstellung der Funktion der Nervenzellen bedarf mindestens 6-7 Tage. Obwohl vor allem das Gehirn von Kindern und Jugendlichen eine sehr gute Erholungsfähigkeit besitzt und Schäden selbst reparieren kann, wäre es fatal, wenn während dieser Reparationszeit ein weiterer Schlag auf das Hirn treffen würde. Als Folge könnten sich dann die Reparationsvorgänge deutlich verzögern und eine überschießende Schwellung zu einer Katastrophe im Hirn führen (sog. „second impact syndrome“). Solange also Beschwerden bei körperlicher und/oder geistiger Belastung vorliegen, ist es noch nicht zu einer kompletten Erholung des Gehirns gekommen.

Prognose
Eine Gehirnerschütterung hat bei einer korrekten Behandlung  (frühzeitiges Erkennen und Behandlung) eine sehr gute Prognose und heilt  in den allermeisten Fällen folgenlos ab. Bei etwa 85 % aller Fälle kommt es zu einem vollständigen Verschwinden  der Symptome innerhalb einer Woche. In den allermeisten Fällen besteht  eine vollständige Symptomfreiheit nach einem Monat, spätestens nach 3-12  Monaten sollte eine komplette Symptomerholung stattgefunden haben.  Trotzdem können auch nach einem Jahr noch bei mehr als 15 % der Betroffenen relevante Symptome, überwiegend Kopfschmerzen und Bewegungsstörungen bestehen, die  vielfach nicht der erlittenen Gehirnerschütterung zuzuordnen sind.  Patienten mit bereits erlittener Gehirnerschütterung zeigen ein erhöhtes  Risiko, eine weitere Gehirnerschütterung zu erleiden.

Weiterführende Informationen
Weitere Informationen sowie einen Schnelltest zur Diagnose finden Sie auch auf den Seiten "Schütz Deinen Kopf!" der Hannelore Kohl Stiftung.



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